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[ Rezension ] Charlotte Link: Wilde Lupinen

Dezember 21, 2009 1 Kommentar

Das Buch fand den Weg zu mir…

Nachdem mir der erste Band recht gut gefallen hat habe ich mir die Folgebände für kleines Geld beim Amazon Marketplace bestellt. Da dies meine erste Bestellung dort war, wusste ich nicht ob es gut geht, aber ich kann über das Preis Leistungsverhältnis keineswegs klagen.

Klappentext:

Deutschland 1938. Alle Zeichen stehen auf Sturm, doch Politik kümmert die junge Belle Lombard wenig. Ihre ehrgeizigen Pläne gelten einzig den Filmstudios in Berlin und dem vermeintlichen Mann ihrer Träume. Ihre Mutter Felicia verteidigt indessen als erfolgreiche Unternehmerin rücksichtslos ihre Interessen, sogar gegen die eigenen Gefühle. Doch das Chaos macht auch vor der weitverzweigten Familie der beiden Frauen nicht halt…

Meine Meinung:

Mit „Wilde Lupinen“ liegt uns der zweite Band der beliebten Sturmzeit-Trilogie vor. Deutschland befindet sich in Habachtstellung. Der Zweite Weltkrieg steht kurz bevor und die Nazis regieren das Land. Unter ihnen Belle Marty, die ihren Träumen als Schauspielerin berühmt zu werden hinterherläuft und ihren frisch angetrauten Mann nach Strich und Faden betrügt. In München, ihre Mutter Felicia Lombard, Protagonistin aus „Sturmzeit“. Ihr Geschäftspartner überschreibt ihr seine Anteile an der Firma und sie ist endlich wieder ihren Träumen nah. Die Firma in München ist in ihren Händen und genauso wird es auch mit dem alten ostpreußischen Familiensitz – Lulinn – sein. Doch die Zeiten stehen auf Sturm und als die erste Bombe fällt wissen alle, dass eine harte Zeit anbricht.

„Wilde Lupinen“ führt den Leser wieder zurück zu Felicia und ihrer in ganz Europa verstreuten Familie. Wir lernten sie schon in „Sturmzeit“ als eine starke Frau kennen, die sicherlich das ein oder andere Mal über Leichen geht und kaum Skrupel kennt. Eine Protagonistin die sicher nicht jedem schmeckt, aber trotz ihrer teilweise doch sehr stark ausgeprägten emotionalen Kälte berührt und die man aufgrund ihrer Stärke und ihres Familiensinns bewundern muss.

Der zweite große Handlungsstrang beschäftigt sich mit Felicias Tochter Belle, die jung geheiratet hat und sich bald nach der Hochzeit einen Liebhaber nimmt. Belle träumt den Traum einer großen Schauspielkarriere doch der große Durchbruch will ihr nicht gelingen. In Kriegszeiten interessiert sich keiner für die verträumte, schöne Belle und ihr Ehemann versinkt immer tiefer in seine Reden gegen das Regime.

Beide Protagonistinnen haben die berühmten Ecken und Kanten. Sie sind keine reizenden, naiven Liebchen sondern starke, emanzipierte Frauen, von denen so manch ein Mann noch etwas lernen kann. Daneben stehen all die anderen Personen, die man schon aus dem Vorgängerband kennt und bei der jede ihren eigenen kleinen Rahmen bekommt. Diese stehen teilweise im Gegensatz zur Stärke von Felicia und Belle und manch einer erscheint dadurch sehr verweichlicht und schwach, was in Anbetracht der Kriegssituation in Deutschland verständlich sein mag.

Das Buch beschreibt die Familiengeschichte sehr genau und schonungslos, bettet geschichtliche Daten und Fakten so ein, dass man immer weiß in welchem Zeitraum man sich gerade befindet und was gerade wichtig ist, ohne dass es zu stark in den Vordergrund tritt. Charlotte Link nimmt kein Blatt vor den Mund, was die Judenverfolgung mit Massenerschießungen und Konzentrationslagern angeht. Ihre Figuren sind keine goldenen Helden, sondern arbeiten für die Nazis und Handeln im Versteckten gegen das Regime, um sich einen Vorteil für die Nachkriegszeit zu sichern. Niemand ist selbstlos und das ist es, was die Figuren so authentisch wirken lässt.

Mit „Wilde Lupinen“ ist der Autorin eine spannende Fortsetzung gelungen, die man als Leser kaum aus der Hand legen möchte. Man kann sich in die Geschichte einfühlen und erwartet mit Spannung was mit der alten, großen Familie noch geschehen wird und hofft, dass sich alles zum Guten wendet.

Bewertung:


[ Ich lese gerade ] Charlotte Link: Wilde Lupinen

Klappentext:

Deutschland 1938. Alle Zeichen stehen auf Sturm, doch Politik kümmert die junge Belle Lombard wenig. Ihre ehrgeizigen Pläne gelten einzig den Filmstudios in Berlin und dem vermeintlichen Mann ihrer Träume. Ihre Mutter Felicia verteidigt indessen als erfolgreiche Unternehmerin rücksichtslos ihre Interessen, sogar gegen die eigenen Gefühle. Doch das Chaos macht auch vor der weitverzweigten Familie der beiden Frauen nicht halt…

Erster Satz:

Es war im Mai, und die Rapsfelder blühten.

Hollys Bücherserien-Challenge bringt mich dazu nun mal wieder ein Buch zu lesen, dass keine fantastischen Elemente in sich birgt. Der erste Band der Trilogie „Sturmzeit“ hatte mir gut gefallen und somit wollen auch die Nachfolger gelesen werden. Nach ca. einem Viertel kann ich sagen, dass mich die Familiensaga eingebettet in die Zeitgeschichte des Deutschlands zur Zeit des Zweiten Weltkriegs sehr fesselt und ich  sehr gespannt bin, wie es weiter geht.

Judith O’Reilly: Stadt, Land – Schluss

August 4, 2009 5 Kommentare

Das Buch fand den Weg zu mir…

als Gewinn von Vorablesen. Die Leseprobe fand ich richtig klasse und so habe ich mich auch sehr gefreut, dass ich zum ersten Mal Losglück hatte.

Klappentext:

Judith O’Reilly liebt ihr Leben in London über alles. Nur eines liegt ihr noch mehr am Herzen: das Glück ihrer Familie. Deshalb folgt sie dem Traum ihres Mannes und zieht, hochschwanger mit dem dritten Kind, in ein Cottage in Northumberland – und lernt High Heels und Karriere durch Schafscheren und Gummistiefel zu ersetzen.

Meine Meinung:

Dieses Buch ist in Tagebuchform geschrieben und das reizt mich immer wieder. Ich mag diese Art des Schreibens und ich mag Familiengeschichten mit Humor und einer Prise Ironie. Leider war dieser Roman für mich kein besonders schöner Genuss. Die ersten Seiten sind noch witzig und bieten einige Lacher, aber nach einer Weile hat mich das ewige Lamentieren von Frau O’Reilly sehr genervt. Es geht um eine Frau, die ihrem Mann zu Liebe aus der Großstadt aufs Land zieht und dem Leben dort einfach nichts abgewinnen kann. Ihr geht es eigentlich immer schlecht, immer wieder betont sie wie schön doch London ist und wie schrecklich doch Northumberland. Die Leute sind anders, es gibt keine Kaffeehausketten, keine Geschäfte und das gesellschaftliche Leben ist einfach nicht so spannend wie in London. Na ja ein Jagdball kann sicher nicht mit einem gesellschaftlichen Großereignis mithalten.Ich konnte zur Autorin leider keine Sympathie aufbauen und habe auch wenig Verständnis für ihr ständiges Gemecker. Man hat einfach das Gefühl sie will sich grundsätzlich gegen ihr neues Leben versperren.

Die Form des Tagebuchs oder Blog ist ebenfalls wenig gelungen. Die Einträge haben keinen Zusammenhang zueinander und erscheinen einfach wie ein aneinanderreihen von Gejammer und bieten wenig Handlung. Man muss sicher bedenken, dass das Buch aus Frau O‘ Reillys Blog entstanden ist, aber als Buch ist dies für mich ungeeignet. Einen Blog als solches lese ich sehr gerne, aber da kann ich guten Gewissens auch mal ein paar langweilige Einträge überspringen, was ich bei einem Buch eben nicht so einfach tun kann. Manchmal sollte ein Blog/Tagebuch eben  ein solches bleiben, denn so spannend kann ein Buch nicht sein, wenn der Autorin auf gefühlt jeder zweiten Seite das Auto liegen bleibt.

Der größte Störfaktor meiner Meinung nach war aber die Bezeichnung der Kinder. Der Dreijährige, der Sechsjährige… Mit jedem Jahr musste man sich erstmal überlegen, welches Kind denn nun welches ist. Man muss ja nicht unbedingt die Namen seiner Kinder nennen, aber wenn man sich schon Spitznamen für den Freundes- und Bekanntenkreis ausdenkt, dann hätte sich sicher auch einer für die Kinder gefunden.

Was mir gut gefallen hat war Frau O’Reillys Verhältnis zu ihren Eltern und die Erkenntnis die sie über das Altern ihrer Mutter gewinnt, sowie ihr sehr liebevolles Verhältnis zu den Kindern, für die sie wie eine Löwein eintritt, wenn sich jemand gegen sie stellt. Das Ehefrau-Ehemann-Verhältnis bleibt allerdings sehr stark im Hintergrund, was mich sehr den Sarkusmus der ersten Seiten vermissen ließ.

Kurz positiv zu Erwähnen ist noch die schöne Gestaltung der Ausgabe. Das Cover ist liebevoll gestaltet und ich finde das sich das Buch sehr schön anfühlt beim Lesen.

Als Fazit von mir kann ich sagen, dass mich das Buch leider enttäuscht hat, da ich etwas vollkommen anderes erwartet hatte. Wie schon oben erwähnt, hätte ich es als Blog sicher lieber gelesen, als als Buch. Sieht man es als solches, nur in einer gedruckten und verlegten Form, kann man es sicher Lesen, muss man aber nicht unbedingt. Wer einen herzhaft erfrischenden Sommerroman erwartet ist mit diesem Buch allerdings nicht gut bedient.

Bewertung:

sternsternsterna

Irvine Welsh: Trainspotting

Dies ist eine Gastrezension meines Freundes.

Klappentext:

„Ein schonungsloses und kraftstrotzendes Buch über eine Höllenfahrt. Leith, ein Vorort von Edinburgh. Hier gibt es nur noch die, die schon immer hier waren. Und Iggy Pop, Drogen, Fußball und Bier. Junkies und Psychos. Boyz n Girlz. Ein Roman wie ein schlechter Tag. Aber das muss ja morgen nicht schon wieder so sein“

Meine Meinung:

Keine Vorgeschichte, keine Charakterisierung. Wie der Klappentext, so das Buch. Das Buch fängt ohne große Erzählung mitten im Leben an und die Kapitel ziehen sich wie eine Achterbahn durch das Buch. Man weiß am Anfang nie, in welcher Ich-Perspektive nun erzählt wird. Es gibt auch nicht wirklich einen roten Faden, die Episoden könnte man auch ohne Probleme kreuz und quer lesen.

Einen kleinen Handlungsstrang gibt es trotzdem: Es geht im großen und ganzen um eine Clique des Edinburgher Vorortes Leith, alle entweder drogen- oder alkoholabhängig, die sich durchs Leben schlagen. Bislang hört sich das nach einem ganz normalen Buch an, wäre nicht die besondere Detailgenauigkeit und der Erzählstil. Irvine Welsh schreibt schamlos und direkt und macht kein Halt vor Tabu-Themen. Da wird der Fetisch des Töten eines Skinhead-Pitbulls als Trophäe genauso detailliert und vielleicht auch ein bisschen glorifizierend beschrieben wie auch das Suchen seiner Drogen in einer Toilettenschüssel mit defekter Spülung mitten einem vielbesuchten Pub. Und natürlich auch immer wieder die Sucht nach dem nächsten Kick, sei es gestreckt aus Ermangelung an freien Stichstellen direkt zwischen die Beine oder der Mix aus diesen mit diversen Schmerztabletten wegen einem amputierten Bein, weil eine Arterie für den Schuss herhalten musste.

Das Buch ist also nichts für schwache Nerven und der Erzählstil ist im typischen Slang gehalten. Man gewöhnt sich an diesen aber schnell und liest das Buch schnell runter. In der englischsprachigen Originalausgabe ist alles im schottischen Dialekt verfasst und ich denke mal, dadurch wird die ganze Geschichte noch intensiviert. Mit den Antihelden des Buches baut man keine persönliche Beziehung auf, deren Schicksale sind durch die Drogen selbst hinzugeführt. Der Leser erlebt auch einen Entzug mit all seinen Facetten und einer Schreibweise, die von abstrakten Gedichten gleicht.

Bewertung:

sternsternsternstern

Ich will aber nicht zu viel verraten und gebe dem Buch 4 Sterne, da es nachdem man sich an den Schreibstil gewöhnt und die Geschichte begriffen hat eine sehr interessante Handlung beinhaltet und zurecht eins der besten Bücher der 90er Jahre ist. Warum ich nicht 5 Sterne vergebe? Dafür ist das ganze geschriebene nicht für Jedermann verdaulich…