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Irvine Welsh: Trainspotting

Dies ist eine Gastrezension meines Freundes.

Klappentext:

„Ein schonungsloses und kraftstrotzendes Buch über eine Höllenfahrt. Leith, ein Vorort von Edinburgh. Hier gibt es nur noch die, die schon immer hier waren. Und Iggy Pop, Drogen, Fußball und Bier. Junkies und Psychos. Boyz n Girlz. Ein Roman wie ein schlechter Tag. Aber das muss ja morgen nicht schon wieder so sein“

Meine Meinung:

Keine Vorgeschichte, keine Charakterisierung. Wie der Klappentext, so das Buch. Das Buch fängt ohne große Erzählung mitten im Leben an und die Kapitel ziehen sich wie eine Achterbahn durch das Buch. Man weiß am Anfang nie, in welcher Ich-Perspektive nun erzählt wird. Es gibt auch nicht wirklich einen roten Faden, die Episoden könnte man auch ohne Probleme kreuz und quer lesen.

Einen kleinen Handlungsstrang gibt es trotzdem: Es geht im großen und ganzen um eine Clique des Edinburgher Vorortes Leith, alle entweder drogen- oder alkoholabhängig, die sich durchs Leben schlagen. Bislang hört sich das nach einem ganz normalen Buch an, wäre nicht die besondere Detailgenauigkeit und der Erzählstil. Irvine Welsh schreibt schamlos und direkt und macht kein Halt vor Tabu-Themen. Da wird der Fetisch des Töten eines Skinhead-Pitbulls als Trophäe genauso detailliert und vielleicht auch ein bisschen glorifizierend beschrieben wie auch das Suchen seiner Drogen in einer Toilettenschüssel mit defekter Spülung mitten einem vielbesuchten Pub. Und natürlich auch immer wieder die Sucht nach dem nächsten Kick, sei es gestreckt aus Ermangelung an freien Stichstellen direkt zwischen die Beine oder der Mix aus diesen mit diversen Schmerztabletten wegen einem amputierten Bein, weil eine Arterie für den Schuss herhalten musste.

Das Buch ist also nichts für schwache Nerven und der Erzählstil ist im typischen Slang gehalten. Man gewöhnt sich an diesen aber schnell und liest das Buch schnell runter. In der englischsprachigen Originalausgabe ist alles im schottischen Dialekt verfasst und ich denke mal, dadurch wird die ganze Geschichte noch intensiviert. Mit den Antihelden des Buches baut man keine persönliche Beziehung auf, deren Schicksale sind durch die Drogen selbst hinzugeführt. Der Leser erlebt auch einen Entzug mit all seinen Facetten und einer Schreibweise, die von abstrakten Gedichten gleicht.

Bewertung:

sternsternsternstern

Ich will aber nicht zu viel verraten und gebe dem Buch 4 Sterne, da es nachdem man sich an den Schreibstil gewöhnt und die Geschichte begriffen hat eine sehr interessante Handlung beinhaltet und zurecht eins der besten Bücher der 90er Jahre ist. Warum ich nicht 5 Sterne vergebe? Dafür ist das ganze geschriebene nicht für Jedermann verdaulich…

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