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Judith O’Reilly: Stadt, Land – Schluss

Das Buch fand den Weg zu mir…

als Gewinn von Vorablesen. Die Leseprobe fand ich richtig klasse und so habe ich mich auch sehr gefreut, dass ich zum ersten Mal Losglück hatte.

Klappentext:

Judith O’Reilly liebt ihr Leben in London über alles. Nur eines liegt ihr noch mehr am Herzen: das Glück ihrer Familie. Deshalb folgt sie dem Traum ihres Mannes und zieht, hochschwanger mit dem dritten Kind, in ein Cottage in Northumberland – und lernt High Heels und Karriere durch Schafscheren und Gummistiefel zu ersetzen.

Meine Meinung:

Dieses Buch ist in Tagebuchform geschrieben und das reizt mich immer wieder. Ich mag diese Art des Schreibens und ich mag Familiengeschichten mit Humor und einer Prise Ironie. Leider war dieser Roman für mich kein besonders schöner Genuss. Die ersten Seiten sind noch witzig und bieten einige Lacher, aber nach einer Weile hat mich das ewige Lamentieren von Frau O’Reilly sehr genervt. Es geht um eine Frau, die ihrem Mann zu Liebe aus der Großstadt aufs Land zieht und dem Leben dort einfach nichts abgewinnen kann. Ihr geht es eigentlich immer schlecht, immer wieder betont sie wie schön doch London ist und wie schrecklich doch Northumberland. Die Leute sind anders, es gibt keine Kaffeehausketten, keine Geschäfte und das gesellschaftliche Leben ist einfach nicht so spannend wie in London. Na ja ein Jagdball kann sicher nicht mit einem gesellschaftlichen Großereignis mithalten.Ich konnte zur Autorin leider keine Sympathie aufbauen und habe auch wenig Verständnis für ihr ständiges Gemecker. Man hat einfach das Gefühl sie will sich grundsätzlich gegen ihr neues Leben versperren.

Die Form des Tagebuchs oder Blog ist ebenfalls wenig gelungen. Die Einträge haben keinen Zusammenhang zueinander und erscheinen einfach wie ein aneinanderreihen von Gejammer und bieten wenig Handlung. Man muss sicher bedenken, dass das Buch aus Frau O‘ Reillys Blog entstanden ist, aber als Buch ist dies für mich ungeeignet. Einen Blog als solches lese ich sehr gerne, aber da kann ich guten Gewissens auch mal ein paar langweilige Einträge überspringen, was ich bei einem Buch eben nicht so einfach tun kann. Manchmal sollte ein Blog/Tagebuch eben  ein solches bleiben, denn so spannend kann ein Buch nicht sein, wenn der Autorin auf gefühlt jeder zweiten Seite das Auto liegen bleibt.

Der größte Störfaktor meiner Meinung nach war aber die Bezeichnung der Kinder. Der Dreijährige, der Sechsjährige… Mit jedem Jahr musste man sich erstmal überlegen, welches Kind denn nun welches ist. Man muss ja nicht unbedingt die Namen seiner Kinder nennen, aber wenn man sich schon Spitznamen für den Freundes- und Bekanntenkreis ausdenkt, dann hätte sich sicher auch einer für die Kinder gefunden.

Was mir gut gefallen hat war Frau O’Reillys Verhältnis zu ihren Eltern und die Erkenntnis die sie über das Altern ihrer Mutter gewinnt, sowie ihr sehr liebevolles Verhältnis zu den Kindern, für die sie wie eine Löwein eintritt, wenn sich jemand gegen sie stellt. Das Ehefrau-Ehemann-Verhältnis bleibt allerdings sehr stark im Hintergrund, was mich sehr den Sarkusmus der ersten Seiten vermissen ließ.

Kurz positiv zu Erwähnen ist noch die schöne Gestaltung der Ausgabe. Das Cover ist liebevoll gestaltet und ich finde das sich das Buch sehr schön anfühlt beim Lesen.

Als Fazit von mir kann ich sagen, dass mich das Buch leider enttäuscht hat, da ich etwas vollkommen anderes erwartet hatte. Wie schon oben erwähnt, hätte ich es als Blog sicher lieber gelesen, als als Buch. Sieht man es als solches, nur in einer gedruckten und verlegten Form, kann man es sicher Lesen, muss man aber nicht unbedingt. Wer einen herzhaft erfrischenden Sommerroman erwartet ist mit diesem Buch allerdings nicht gut bedient.

Bewertung:

sternsternsterna

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  1. Daniel
    August 4, 2009 um 6:20 pm

    Wenn das Buch aus einem Blog entstammt, ist das nicht dann einfach simple Geldmacherei? Da kann doch jeder seinen Blog als Buch verfassen und groß rausbringen…

  2. umblaettern
    August 5, 2009 um 9:40 am

    Dazu muss man erstmal den Witz und das Können haben, dass der Inhalt eines Blogs einen Verlag anspricht. Blogs gibt es unzählige auf der Welt und die meisten davon werden von Menschen geführt, die nix zu erzählen haben und das dann nichtmal gut. (Wobei mir auffällt, das die sich gerne bei myblog.de tummeln, deswegen hab ich da auch Reißaus genommen). Will irgndwer den Jammerblog einer 13jährigen in ihrer höchst pubertären, aber leider rechtschreibschwachen Lebensphase veröffentlichen?

    Es gibt Menschen, die haben das Talent, aus ihrem Blog ein interessantes Buch zu machen, weil das, was sie erzählen, auch breitere Masse interessiert. Ein Bespiel dafür wäre zum Beispiel Judith Alwin, die über ihre Erfahrungen in Online-Singlebörsen berichtet hat. Das Thema trifft den Nerv vieler Leute, und wenns – wie bei mir – eben nur Neugierde ist. Außerdem ist das, was sie erlebt, auch noch witzig und ein Talent für Sprache hat sie obendrein. Sowas funktioniert.

    Man darf nicht immer davon ausgehen, dass jeder viel im Internet unterwegs ist und ich hätte nicht die Geduld gehabt, ihren ganzen Blog zu lesen, wohl aber die Muse, mich mit ihrem Buch aufs Sofa zu fläzen. Ich finde es völlig legitim, seinen Blog auch interessierten Lesern in gedruckter Fom zugänglich zu machen.

    • zimtsterni
      August 5, 2009 um 10:08 am

      Ich gebe dir Recht, dass es sicher auch gut gehen kann aus einem Blog ein Buch zu machen. Ganz ohne Frage, aber leider ist es hier eben nicht so, dass man es unbedingt hätte lesen müssen. Für mich ging das ganze hier einfach nach hinten los. Als Geldmacherei würde ich das jetzt aber auch nicht bezeichnen, da es auch nicht so schrecklich ist 😉
      Judith Alwin klingt auch recht interessant. Ich werde es mir mal merken, da ich ja schon gerne Bücher in Tagebuchform/Blogform lese *g*

      • umblaettern
        August 5, 2009 um 12:34 pm

        Das war auch eher allgemein auf die Geldmacherei bezogen, nicht unbedingt auf dieses Buch hier. ^^ Ich habs ja leider nicht gewonnen und deswegen auch nicht gelesen und grad überleg ichs mir auch schwer, da vertrau ich deinem Urteil *g* Mein Wunschzettel ist ja auch so lang genug, wie du weißt (:
        Wollte damit nur sagen, dass es machmal schon Sinn hat, sowas auch in Buchform zu veröffentlichen, ich bin ja nicht so der Bildschirmleser, wenns um Bücher geht…
        Mir fällt da noch ein Blog ein, nur der Name ist mir gerade entfallen, da schreibt ein Man über sein Leben mit seiner Freundin, das fand ich auch immer ganz lustig, aber alles am Bildschirm lesen, war mir dann auch wieder zu anstrengend. Der muss da jetzt auch ein Buch veröffentlicht haben, mal recherchieren ^^

  3. umblaettern
    August 5, 2009 um 9:42 am

    * dass sie sich gerne bei mybog.de tummeln… ( Ja, so als Deutschlehrerin muss ich mich selber verbessern *g* )

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